Panja Jürgens: Die Fotografin hinter zwei besonderen Bildbänden

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Panja Jürgens ist eine deutsche Fotografin, die auch als erste Ehefrau des österreichischen Sängers und Komponisten Udo Jürgens bekannt wurde. Ihr bürgerlicher Name lautet Erika Meier; „Panja“ ist ihr Rufname. Während ihr früheres Familienleben eng mit dem Aufstieg eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Entertainer verbunden war, entwickelte sie später ein eigenständiges fotografisches Werk. Ihre Porträts beschäftigen sich mit Identität, gesellschaftlichen Rollen und der Sehnsucht nach Frieden. Besonders bekannt sind die Bildbände They Call Themselves Queens von 1996 und Wings of Peace von 2002.

Panja Jürgens im Überblick

MerkmalAngabe
Bürgerlicher NameErika Meier
Bekannt alsPanja Jürgens
BerufFotografin
Frühere EheUdo Jürgens
KinderJohn und Jenny Jürgens
Bekannte BildbändeThey Call Themselves Queens, Wings of Peace
Zentrale FotothemenPorträt, Identität, gesellschaftliche Rollen, Frieden

Wer ist Panja Jürgens?

Erika Meier, genannt Panja, wurde durch ihre Ehe mit Udo Jürgens zunächst Teil einer prominenten Künstlerfamilie. Ihre eigene Bedeutung erschöpft sich jedoch nicht in dieser Verbindung. Als Fotografin veröffentlichte sie umfangreiche Porträtserien und arbeitete an Themen, die in den 1990er-Jahren noch deutlich seltener in großformatigen Bildbänden behandelt wurden.

In internationalen Bibliothekskatalogen erscheint ihr Name häufig ohne Umlaut als „Panja Jurgens“ oder „Panja Juergens“. Diese Schreibweisen bezeichnen dieselbe Fotografin. Der Bayerische Rundfunk nennt sie in seinem Dossier zur Dokumentation UDO! ausdrücklich „Erika Meier, genannt Panja“ und bezeichnet sie als Udo Jürgens’ erste Ehefrau sowie als Mutter von John und Jenny Jürgens. Bayerischer Rundfunk

Kennenlernen, Ehe und Familie

Die offizielle Biografie von Udo Jürgens datiert das erste Treffen des Paares auf das Frühjahr 1959. Die beiden begegneten sich in der Münchner Clubszene. Nach einem gemeinsamen Abend verabredeten sie sich für den folgenden Tag und wurden ein Paar.

Am 11. Oktober 1963 heirateten Udo und Panja auf dem Standesamt in der Mandlstraße in München. Die Hochzeit fiel in eine entscheidende Phase seiner Laufbahn: Kurz darauf begann sein internationaler Durchbruch mit mehreren Teilnahmen am Grand Prix Eurovision de la Chanson und dem späteren Sieg mit „Merci, Chérie“.

1964 wurde Sohn John geboren, 1967 folgte Tochter Jenny. Gleichzeitig wuchsen die beruflichen Verpflichtungen von Udo Jürgens. Konzerte, Studioaufnahmen und internationale Reisen bestimmten einen großen Teil des Familienlebens. Im Sommer 1989 wurde die Ehe in Zürich geschieden. Offizielle Udo-Jürgens-Biografie

„Man hat ein schlechtes Gewissen. Man weiß, dass man Fehler macht“, sagte Udo Jürgens rückblickend über die Belastungen, die seine Karriere für die Familie mit sich brachte. Udo Jürgens im Gespräch mit dem ZEITmagazin

Panja Jürgens als Fotografin

Panja Jürgens wandte sich intensiv der Fotografie zu, nachdem sie auf einer Afrikareise ihre Begeisterung für das Medium entdeckt hatte. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Menschen aus unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Milieus. Ihre Kamera richtet sich weniger auf spektakuläre Ereignisse als auf individuelle Selbstbilder, Gesten und persönliche Ausdrucksformen.

Zu den genannten Werkreihen gehören Return to Paradise, Street People und eine Serie über Drag Queens. Jürgens arbeitete unter anderem in New York, Paris und Zürich. Ihre bekanntesten Publikationen verbinden dokumentarische Porträtfotografie mit klar entwickelten thematischen Konzepten. Perlentaucher

They Call Themselves Queens

Der englischsprachige Bildband They Call Themselves Queens: The Transformation Series erschien 1996 beim Zürcher Verlag Stemmle. Die Publikation umfasst 207 Seiten und enthält Texte von Panja Jürgens, dem britischen Schriftsteller und Performer Quentin Crisp sowie dem Schweizer Fotohistoriker Charles-Henri Favrod, der den Band auch herausgab.

Der Bibliothekskatalog der University of Wisconsin–Madison ordnet das Werk der Porträt- und Dokumentarfotografie zu. Im Mittelpunkt stehen Menschen, deren Erscheinungsbild und Selbstinszenierung gesellschaftlich festgelegte Geschlechterrollen überschreiten. Kleidung, Pose und Verwandlung werden dabei nicht als bloßes Spektakel behandelt, sondern als Ausdruck persönlicher Identität. University of Wisconsin–Madison Libraries

Das Thema beschäftigte Jürgens auch schriftstellerisch. In dem 2006 erschienenen Sammelband Weiblich – männlich – anders? Geschlechterbeziehungen im Kulturvergleich ist ihr Beitrag „Die Seele ist alles, sagte Aristoteles – Gedanken zum Crossdressing. Ein Plädoyer für Toleranz“ enthalten. Damit setzte sie die Fragen ihres Fotobandes in essayistischer Form fort. Deutsche Nationalbibliothek

Wings of Peace

2002 erschien im Münchner Knesebeck Verlag der 160-seitige Bildband Wings of Peace. Für dieses Projekt porträtierte Panja Jürgens Menschen in New York und fragte sie nach ihrer persönlichen Vorstellung von Frieden. Die Teilnehmer legten für die Aufnahmen weiße Engelsflügel an. Einige ergänzten ihr Porträt um eigene Gedanken, andere ließen Haltung, Mimik und Umgebung für sich sprechen.

Jürgens fotografierte Menschen aus sehr verschiedenen Lebensbereichen: unter anderem Kinder, Pflegekräfte, Feuerwehrleute, Kriegsveteranen, Künstler, Einwanderer und Angehörige unterschiedlicher Religionen. Dadurch entstand kein einheitliches Idealbild, sondern ein Querschnitt durch die Bevölkerung New Yorks.

Die Fotografien waren bereits vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 entstanden. Durch die spätere Veröffentlichung erhielt das Projekt eine zusätzliche historische Bedeutung. Die englische Ausgabe erschien ebenfalls 2002 bei Harry N. Abrams in New York. Sie enthält 105 Duoton-Fotografien und ein Vorwort des deutschen Musikers Udo Lindenberg. WorldCat

Was ihre Fotografie auszeichnet

Die beiden großen Buchprojekte wirken auf den ersten Blick sehr unterschiedlich. They Call Themselves Queens befasst sich mit Verwandlung und Geschlechterrollen, während Wings of Peace einen universellen politischen und menschlichen Wunsch behandelt. Beide Arbeiten beruhen jedoch auf einem ähnlichen Prinzip: Die porträtierten Personen wirken an der Entstehung ihres Bildes mit.

Bei den Queens geschieht dies über Kleidung, Make-up und bewusst gewählte Posen. In Wings of Peace übernehmen die weißen Flügel diese Funktion. Das Requisit verändert die äußere Erscheinung, lässt aber zugleich individuelle Unterschiede deutlicher hervortreten. Die Menschen werden nicht auf Herkunft, Beruf oder gesellschaftlichen Status reduziert.

JahrStation
1959Kennenlernen von Udo Jürgens in München
1963Standesamtliche Hochzeit am 11. Oktober
1964Geburt des Sohnes John
1967Geburt der Tochter Jenny
1989Scheidung in Zürich
1996Veröffentlichung von They Call Themselves Queens
2002Veröffentlichung von Wings of Peace
2006Essay über Crossdressing und Toleranz
2024Mitwirkung als Gesprächspartnerin in der Dokumentation UDO!

Panja Jürgens in der Dokumentation UDO!

Für die von BR, NDR, SRF und ORF koproduzierte Dokumentation UDO! wurde Panja Jürgens als Gesprächspartnerin interviewt. Der Film entstand unter der Regie von David Kunac und Sebastian Dehnhardt und wurde im Dezember 2024 erstmals ausgestrahlt.

Neben Panja kommen ihre Kinder John und Jenny, Udo Jürgens’ Bruder Manfred Bockelmann sowie langjährige Freunde und Mitarbeiter zu Wort. Die Produktion arbeitet außerdem mit Familienfotos, Briefen, Tonaufnahmen und privaten Filmen. Panjas Beteiligung ist besonders relevant, weil sie den Künstler bereits vor seinem großen Durchbruch kannte und die entscheidenden Jahre seines Aufstiegs unmittelbar miterlebte.

Häufig gestellte Fragen zu Panja Jürgens

Wie lautet der bürgerliche Name von Panja Jürgens?

Ihr bürgerlicher Name lautet Erika Meier. Panja ist der Name, unter dem sie persönlich und als Fotografin bekannt wurde.

Was macht Panja Jürgens beruflich?

Panja Jürgens ist Fotografin. Ihr Werk umfasst dokumentarische Porträts und thematisch konzipierte Fotoserien über Identität, gesellschaftliche Rollen, urbane Lebenswelten und Frieden.

Wann waren Panja und Udo Jürgens verheiratet?

Die offizielle Chronik von Udo Jürgens nennt den 11. Oktober 1963 als Hochzeitstag. Die Ehe wurde im Sommer 1989 in Zürich geschieden.

Welche Kinder haben Panja und Udo Jürgens?

Aus der Ehe stammen John Jürgens, geboren 1964, und Jenny Jürgens, geboren 1967. Beide wirkten später ebenfalls in Film-, Musik- und Medienproduktionen mit.

Welche Bücher veröffentlichte Panja Jürgens?

Ihre wichtigsten Bildbände sind They Call Themselves Queens: The Transformation Series von 1996 und Wings of Peace von 2002. Außerdem verfasste sie einen 2006 veröffentlichten Essay über Crossdressing und Toleranz.

Ist Panja Jürgens in einer Dokumentation zu sehen?

Ja. Sie gehört zu den Interviewpartnern der Dokumentation UDO!, die anlässlich des 90. Geburtstags und des zehnten Todestags von Udo Jürgens produziert wurde.

Fazit

Panja Jürgens war nicht nur die erste Ehefrau eines berühmten Entertainers. Mit ihren Porträtserien entwickelte sie eine eigene fotografische Handschrift, die Menschen als aktive Gestalter ihres Bildes behandelt. They Call Themselves Queens setzt sich mit Verwandlung und Identität auseinander, während Wings of Peace die Einwohner New Yorks nach ihren Hoffnungen fragt. Beide Werke verbinden dokumentarische Beobachtung mit einer respektvollen, menschenbezogenen Perspektive.

Quellen

Udo Jürgens – „Biografie“

Udo Jürgens – „Das Glück ist ein flüchtiger Vogel“

Bayerischer Rundfunk – „Über den Jahrhundertmusiker: Dokumentation ‚UDO!‘“, 11. November 2024

https://www.br.de/presse/inhalt/pressedossiers/udo-juergens-dokumentation-100.html

University of Wisconsin–Madison Libraries – „They Call Themselves Queens: The Transformation Series“

https://search.library.wisc.edu/catalog/999822535302121

WorldCat – „Wings of Peace“

https://search.worldcat.org/title/Wings-of-peace/oclc/1391890141

Perlentaucher – „Panja Jürgens: Wings of Peace“

https://www.perlentaucher.de/buch/panja-juergens/wings-of-peace.html

Deutsche Nationalbibliothek – „Weiblich – männlich – anders? Geschlechterbeziehungen im Kulturvergleich“, 2006

https://d-nb.info/98031805X/04
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